Lehrveranstaltung

Beschreibung der Lehrveranstaltung

Gesellschaftliche Umwälzungen und Veränderungen des Kunstbegriffs bedingen einander. Mal eilen die Künstler den gesellschaftlichen Veränderungen voran, bereiten sie vor, kündigen sie an, mal werden sie selbst von ihnen mitgerissen, stellen sich auf sie ein, folgen ihnen nach. Wenn die Gesellschaft in Bewegung gerät, hält es meistens auch die Künstler nicht mehr hinter ihrem Ofen. „Die Künstler“ (und selbstverständlich: Künstlerinnen) ist natürlich falsch, heißen müßte es richtiger: die beweglichsten unter ihnen. Denn es hat zu allen Zeiten Künstler und Künstlerinnen gegeben, die nicht aus ihrer Nische herauskamen, die von den gesellschaftlichen Entwicklungen überhaupt nicht tangiert wurden, die das jeweilige Morgenrot schlicht verpennten.
Das zwanzigste Jahrhundert hat, besonders in seinem ersten Drittel, und natürlich im Zusammenhang mit den damals angesagten oder erwarteten gesellschaftlichen Umwälzungen, auch eine ganze Menge von Kunstler-Manifesten hervorgebracht. Hier wurde der Versuch gemacht, Kunst neu und anders zu definieren und sowohl in der ästhetischen Praxis als auch in der programmatischen Theorie das neunzehnte Jahrhundert hinter sich zu lassen, ihm den Abschied zu geben. Da die meisten dieser Manifeste heute schon wieder vergessen sind, dürfte es sich lohnen, sie noch einmal hervorzuholen, zu studieren und zu diskutieren.

Was sagen sie Künstlern und Kunstpädagogen heute?
Was bedeuten sie für jemanden, der sich auf eine Praxis als Kulturarbeiter oder Kunsttherapeut an der Kulturpädagogischen Arbeitsstelle vorbereitet?

Zu Jeder Sitzung soll mindestens ein Text umgedruckt, verteilt und vor seinem Zeit- und Entstehungshintergrund diskutiert werden. Unweigerlich wird dabei auch die Frage der Ausbildung von Künstlern (also die Kritik an der Kunstakademie des neunzehnten Jahrhunderts) und die Frage der staatlichen Anschaffungs- und Aufbewahrungspolitik u. also die Kritik der traditionellen Museumspraxis) mit zur Sprache kommen. Wir werden uns fragen können, was sich seitdem geändert hat, wie weit wir mittlerweile voran (oder wieder zurück?) gekommen sind.